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Pressemitteilungen

Grußwort des Bürgermeisters zum Jahreswechsel


Grußwort zum Jahreswechsel

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

das Jahr 2020 neigt sich langsam seinem Ende zu. Ein Jahr, das für uns alle für immer als außergewöhnlich in Erinnerung bleiben wird.

Auch dieses Grußwort ist außergewöhnlich. Es ist ein gemeinsames Grußwort des alten und des neuen Bürgermeisters. Im November erfolgte die Amtsübergabe von Gerhard Schemmel an Martin Hoffmann.

Wir leben in besonderen Zeiten. Als Ende 2019 die ersten Nachrichten aus China die Medien in Deutschland erreicht haben, dass dort, im fernen Osten, eine neuartige Pandemie ausgebrochen ist mit massiven Auswirkungen auf das Leben der Menschen vor Ort, war das alles noch ganz weit weg und man hat sich hierzulande noch nicht weiter mit dem Thema einer Pandemie beschäftigt.

Aber wir leben in einer globalisierten Welt und auch Krankheiten machen nicht an einer Landesgrenze halt. Anfang des Jahres gab es dann erste Fälle der Viruskrankheit Sars-Cov-2, „Corona“ auch in Europa und schließlich auch in Deutschland, wo sich das Virus rasch ausbreitete. Um diese weitere Verbreitung des Virus zu verlangsamen und das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu schützen, mussten teils strenge Regelungen zum Schutz der Bevölkerung getroffen werden. Kontaktbeschränkungen, Schließung von Kultureinrichtungen, Gastronomiebetrieben und Geschäften, Besuchsverbote in Krankenhäusern und Altenheimen haben den Alltag jedes Einzelnen gänzlich verändert. Gewohnte und bis dahin selbstverständliche Aktivitäten waren nicht mehr möglich, Beruf und Freizeit mussten anders gestaltet werden. Firmenpleiten, Kurzarbeit, Entlassungen haben zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer getroffen. Problematisch war auch die Situation in den Familien, deren Kinder von einem Tag auf den anderen nicht mehr in die Kita oder die Schule gehen konnten. Allein dies stellte schon viele Familien vor große Herausforderungen und Schwierigkeiten.

Auch für die staatlichen Stellen und Behörden eine schwierige Situation. Es fehlte an Erfahrungen im Umgang mit einer solchen Lage.

Große Sorge bereiteten natürlich auch die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen auf das Wirtschaftsleben im Land. Staatliche Hilfen kamen in Gang, um denen, die besonders von diesem Lockdown betroffen waren, unter die Arme zu greifen, Gewerbetreibenden, Gastronomie, Kultureinrichtungen, Veranstaltern usw. Trotz aller schnellen und unbürokratischen Hilfen haben sich viele bis heute noch nicht von den Einschränkungen erholt. Auch die Probleme und Mängel in unserem Gesundheitssystem und der Pflege sind in dieser Zeit mehr als deutlich geworden.

All dies hat sich auch in Leopoldshöhe abgespielt. Auch in Leopoldshöhe gab es Krankheitsfälle und leider auch Menschen, die im Zusammenhang mit Covid 19 gestorben sind.

Nach einer kurzen Besserung der Situation im Sommer musste im November erneut ein strenger Einschnitt erfolgen. Es wurde auch Kritik laut an den staatlichen Maßnahmen und Menschen gingen auf die Straße, die sich Gedanken und Sorgen um die Einschränkung von Rechten machten. Leider haben sich unter diese wirklich besorgten Menschen auch Personen und Gruppierungen gemischt, die die Situation nutzen, um die staatliche Ordnung und die freiheitlich demokratische Grundordnung unseres Landes anzugreifen. Hier gilt es, diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten. Jede Form von Extremismus darf in unserem Land keinen Platz haben.

Aber es gab im November auch Nachrichten, die Hoffnung machten. Die Aussicht auf die baldige Verfügbarkeit eines Impfstoffes ist so eine Nachricht.

Trotzdem wird uns die Pandemie sicher auch über den Jahreswechsel und im nächsten Jahr noch beschäftigen. Mit den Folgen, auch den wirtschaftlichen, werden wir noch länger leben müssen.

Und dies betrifft natürlich auch unsere Gemeinde Leopoldshöhe. Die Auswirkungen z.B. auf den gemeindlichen Haushalt sind im Einzelnen noch nicht abzusehen. Sicher ist, dass es zu erheblichen Einnahmeausfällen kommen wird, die auch nur zum Teil durch Hilfen des Bundes oder Landes ausgeglichen werden können.

Wichtig ist für alle Beteiligten, Lehren aus dieser Situation zu ziehen, um zukünftig besser gewappnet zu sein.

Wenn Corona auch das bestimmende Thema des Jahres 2020 ist und auch noch einige Zeit bleiben wird, gab es in diesem Jahr noch weitere Punkte, die uns beschäftigten. Themen, die wichtig sind und nicht Gefahr laufen dürfen, über die Pandemie in Vergessenheit zu geraten.

Da ist z.B. der Klimawandel. Hier sind in der Zukunft in allen Bereichen noch viel mehr Anstrengungen erforderlich, um die Auswirkungen dieses Phänomens zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Auch 2020 haben wir die Folgen des Klimawandels wieder zu spüren bekommen, wenn vielleicht auch nicht so drastisch wie in den extremen Dürrejahren 2018 und 2019. Die Nachrichten über den besorgniserregenden Zustand unserer Wälder und die Probleme für die Landwirtschaft sind auch in unserm näheren Umfeld augenscheinlich.

Und 2020 war auch wieder ein Jahr, in denen die Nachrichten über Krieg und Terror in fast allen Teilen der Welt berichteten.

Krieg um die Region Berg-Karabach, der anhaltende Bürgerkrieg in Syrien, wenn auch aufgrund von Corona in den Nachrichten nicht mehr so präsent, Terroranschläge in unserem Nachbarland Frankreich. Dies alles erfüllt uns mit Sorge.

Sorgen machen wir uns in Deutschland um extremistische Umtriebe von Links und Rechts. Hier gilt es, wachsam zu sein und entschieden entgegenzusteuern. Rassismus und Antisemitismus dürfen nie wieder Platz in Deutschland haben. Angriffen auf unsere freiheitlich demokratische Grundordnung müssen wir uns alle entschieden entgegenstellen.

Welche Themen bewegten uns nun 2020 in Leopoldshöhe?

Trotz aller Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten gibt es wichtige Projekte, die verwirklicht wurden, in Arbeit sind oder in Planung.

Augenfällig sind naturgemäß die Bauvorhaben, die unsere Gemeinde prägen und auch verändern. Die Arbeiten zur Erweiterung und Sanierung unserer Gesamtschule gehen weiter, ebenso auch die Sanierung der Sportanlage am Schulzentrum Leopoldshöhe. Eingebettet sind diese Maßnahmen in ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), das darüber hinaus auch noch in weitere Bereiche ausstrahlt. So laufen im Rahmen des ISEK u.a. Planungen zur Aufwertung der Ortszentren im Norden und im Süden der Gemeinde. Auch die Planungen für das neue Baugebiet Brunsheide Süd, das von der Politik in diesem Jahr auf den Weg gebracht wurde, sind in den ISEK-Prozess eingebunden.

Voran geht es auch im Bereich des Baugebietes an der Bachstraße. Hier sind mittlerweile die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Erschließung des Gebietes geschaffen worden, sodass eine baldige Bebauung möglich ist. Im Baugebiet am Gieselmann-Kreisel sind die ersten Einheiten des Wohnprojektes der Wohnbau Lemgo fertiggestellt und bereits bezogen worden.

Das Projekt „Betreutes Wohnen“ in Bechterdissen, ein Vorhaben der dortigen mennonitischen Kirchengemeinde, steht vor der Fertigstellung.

Fertiggestellt und eingeweiht wurde 2020 auch die neue Kindertagesstätte der AWO „Am Eselsbach“ am Begegnungszentrum B-vier in Asemissen.

Wohnen ist und bleibt ein Schwerpunkt in Leopoldshöhe. Leopoldshöhe ist ein weiterhin beliebter Wohnstandort. Die Nachfrage nach Wohnraum ist unverändert hoch. Infrastruktur und Flächenverbrauch müssen hier allerdings berücksichtigt werden, dies erfordert Handeln mit Augenmaß. Leopoldshöhe soll seinen dörflichen Charakter bewahren.

Die Entwicklung des Geschäftszentrums in Asemissen ist ebenfalls weiter fortgeschritten. Künftig wird ein Kaufhaus die Einkaufsmöglichkeiten im Süden der Gemeinde bereichern. Mit diesem Geschäftszentrum, wie auch seinem Pendant im Norden der Gemeinde und dem weiteren Einzelhandel in den Ortszentren ist Leopoldshöhe im Bereich des Einzelhandels sehr gut aufgestellt.

In der Pandemiezeit hat es sich gezeigt, dass „Home-Office“ künftig eine immer größere Bedeutung haben wird. Auch der Online-Unterricht während der Zeit der Schulschließung war ein wichtiges Thema. Voraussetzung hierfür ist ein schnelles Internet. Da sind wir in Leopoldshöhe auf einem guten Weg. Der Breitbandausbau ist in diesem Jahr in Leopoldshöhe gestartet und wird im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Nicht in allen Bereichen wird es eine für alle Fälle ausreichende Datenkapazität geben können, aber die Voraussetzungen werden sich deutlich verbessern. Dies ist auch ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort Leopoldshöhe.

Die Ausstattung der Schulen für den digitalen Unterricht schreitet ebenfalls voran. Die ersten Geräte wurden mittlerweile ausgeliefert.

Auch im Bereich „Leader“, ein Förderprogramm der EU, an dem Leopoldshöhe mit den Nachbarstädten Lage und Lemgo teilnimmt, ging es 2020 weiter. Die Projekte „Kindgerechter Schulweg“ und „Schule und Gesundheit“ sind in diesem Jahr gestartet. Die „Tichlerroute“, eine Fahrradroute, die die drei Kommunen verbindet und das lippische Zieglerwesen thematisiert, ist 2020 eröffnet worden. Derzeit läuft noch das Projekt „Heimathof“, mit dem der Heimathof konzeptionell weiterentwickelt und für die Zukunft fitgemacht werden soll.

2020 war Wahljahr. In Nordrhein-Westfalen fanden im September die Kommunalwahlen statt. Gemeinde- und Stadträte, Kreistage, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und Landrätinnen und Landräte wurden gewählt.

In Leopoldshöhe haben die Wahlen zum Gemeinderat einige Veränderungen mit sich gebracht. Der Gemeinderat wächst auf 36 Mitglieder und wird künftig 4 Fraktionen erhalten. Neben der SPD, der CDU, Bündnis90/Die Grünen hat nunmehr auch die FDP Fraktionsstatus. SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben sich zu einer Zusammenarbeit entschlossen und eine entsprechende Kooperationsvereinbarung geschlossen.

Im Bürgermeisteramt ging 2020 eine Ära zu Ende. Bürgermeister Gerhard Schemmel, seit 1999 im Amt, ist in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl angetreten und ist zum 31.10.2020 in den Ruhestand eingetreten. In seinen 21 Jahren als hauptamtlicher Bürgermeister hat Gerhard Schemmel die Gemeinde Leopoldshöhe sicherlich ganz entscheidend geprägt und hat einen maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung unserer Gemeinde. Anlässlich seiner offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand sind seine Verdienste um unsere Gemeinde ausführlich gewürdigt worden.

Bei der Bürgermeisterwahl hat die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in Leopoldshöhe Martin Hoffmann das Vertrauen geschenkt und im ersten Wahlgang zum Bürgermeister der Gemeinde Leopoldshöhe gewählt.

Gemeinsam haben wir anschließend eine mehrwöchige Einarbeitungsphase und zahlreiche Termine „im Doppelpack“ absolviert. Diese Zeit haben wir beiden sehr wertgeschätzt. Den Luxus der reibungslosen Amtsübergabe hatten zahlreiche andere neue Bürgermeister nicht. Ein neuer Bürgermeister macht viele Dinge anders. Allerdings schadet es nicht, gesehen zu haben, wie der alte es gemacht hat. Ausdruck der reibungslosen Amtsübergabe ist auch dieses gemeinsame Grußwort.

Seit der Übergabe des Rathausschlüssels am 31.10. gehen wir nun wieder getrennte Wege. Die ersten Wochen der Amtszeit sind mittlerweile ins Land gezogen und die anhaltende Corona-Situation hat diese Wochen natürlich in besonderer Weise geprägt. Es ist eine neue Aufgabe mit vielen Herausforderungen.

Die Verwaltung ist ein gutes Team mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das gute und vertrauensvolle Miteinander in den politischen Gremien, wie es in den letzten Jahren in Leopoldshöhe stets selbstverständlich war, soll fortgeführt werden.

Wir gehen sicher nicht ohne Sorge in das neue Jahr, aber wir wollen es trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen auch positiv gestimmt und mit Optimismus angehen.

Corona wird irgendwann besiegt sein, das Leben wird sich normalisieren. Vieles, auf das wir in diesem Jahr verzichten mussten, wird wieder möglich sein. Wir werden uns wieder zu Veranstaltungen und Festen treffen auf dem Marktplatz und dem Heimathof, auf den Sportplätzen und in den Vereinsheimen, in den Kirchen und in den Schulen. Wir werden uns wieder mit Freunden und Freundinnen treffen, ins Theater und ins Kino gehen und in Biergärten sitzen können. Wir werden wieder Urlaubsreisen und Ausflüge unternehmen und die Welt erleben.

2020 war ein außergewöhnliches Jahr. Trotz aller Schwierigkeiten und Einschränkungen sind wir in Leopoldshöhe noch verhältnismäßig gut durch diese Zeit gekommen. Wir denken heute an alle Menschen in unserer Gemeinde, die Corona besonders schwer getroffen hat. Wir denken aber auch an die Menschen, die sich in dieser Zeit für andere eingesetzt haben, ehrenamtlich oder an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz. Alle aufzuzählen würde hier zu weit führen. Ärzte/Ärztinnen und Pflegekräfte, Lehrer/innen und Erzieher/innen, Mitarbeiter/innen in den Gesundheitsämtern und anderen beteiligten Behörden, allen die in Handel und Gewerbe ihren Teil dazu beigetragen haben, das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten, möchten wir herzlich danken.

Danke auch an alle Ehrenamtlichen in den Vereinen und Verbänden, die trotz aller Einschränkungen alles unternommen haben, um das für unsere Gesellschaft so wichtige Vereinsleben und das Ehrenamt aufrecht zu erhalten.

Wir wünschen Ihnen ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr.

Und bleiben Sie gesund.

 

Prof. Dr. Martin Hoffmann          Gerhard Schemmel

Bürgermeister                                  Bürgermeister a.D.